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30 Jahre Leben mit Lupus Lupus-Selbsthilfe



Therapie des Lupus erythematodes



Die Behandlung bei Lupus erythematodes richtet sich nach dem Stufenschema. Leider ist heute vielfach noch die "abwartende Haltung" vorherrschend, d. h. mit dem Einsatz stärkerer Medikamente wird gewartet, bis die Krankheit weiter vorangeschritten ist. Das betrifft hauptsächlich die subakut-schleichenden Verlaufsformen. Bei allen Lupus-Verlaufsformen sollte gelten:
Eine so frühe und effektive Behandlung wie möglich!



State of the Art: systemischer Lupus erythematodes
"Solange wir Erkrankungen wie den systemischen Lupus erythematodes (SLE) nicht heilen können, muss es unser Ziel sein, dass Menschen mit SLE ein weitgehend normales Leben führen dürfen. Es sollte nicht von ihrer Erkrankung dominiert werden." https://link.springer.com
Kommentar: Das Ziel eines normalen Lebens mit Lupus ist noch weit entfernt, wie eine weltweite Umfrage der World Lupus Federation zum Welt-Lupus-Tag am 10. Mai 2019 zeigt: Mehr als sechs von zehn (61 %) der an Lupus leidenden Patienten sagten aus, "dass die Erkrankung 'weitreichend' Einfluss auf ihr emotionales und mentales Wohlergehen genommen habe", vgl. https://www.ots.at. Da es keine neuen Behandlungsmöglichkeiten gibt, da keine neuen Medikamente auf den Markt kommen und die Off-label angewandten Medikamente seit Jahren bekannt sind, gibt es auch keine wirklichen Verbesserungen bei der Therapie.


Die Behandlung bei Lupus erythematodes richtet sich nach dem Stufenschema von leichteren zu schwereren Medikamenten entsprechend der Krankheitsaktivität.

Stufenschema zur Behandlung des Lupus erythematodes:

Antimalariamittel (Hydroxychloroquin u. a.)
Immunsuppressiva (Azathioprin, Mycophenolatmofetil, Ciclosporin A)
monoklonale Antikörper (Belimumab), Anifrolumab (a href="https://www.astrazeneca.at/content/dam/az-at/medicines/RIA/Saphnelo_300_mg_Konzentrat_zur_Herstellung_einer_Infusionsl%C3%B6sung_GI.pdf" target=_blank>https://www.astrazeneca.at
Zytostatika (Cyclophosphamid)

Die Behandlung erfolgt entsprechend der Krankheitsaktivität von leichteren (oben) zu stärkeren Medikamenten (unten).

Das Antimalariamittel Resochin® wurde im Juni 2019 wegen Qualitätsmängeln in der Herstellung vom Markt genommen https://www.bayer.de
Kommentar: Evtl. kommt eine Umstellung auf Hydroxychloroquin (z. B. Quensyl®) in Frage.

Parallel zu diesen sogenannten Basismedikamenten kann Kortison (in der Regel Prednison oder Prednisolon, mit verzögerter Wirkstofffreisetzung Lodotra®) eingenommen werden.


Kortison

Kortison kann ohne andere Basismedikamente oder in Kombination mit anderen Basismedikamenten angewandt werden. Es kann morgens eingenommen oder abends eingenommen werden. Meistens erfolgt die Behandlung mit Prednison oder Prednisolon.

Lodotra® ist ein Prednisonpräparat mit verzögerter Wirkstofffreisetzung vier Stunden nach der Einnahme. Es wird abends eingenommen. Einer Phase-III-Studie zufolge wurde dadurch die Morgensteifigkeit bei rheumatoider Arthritis um 23 Prozent verringert. Das liegt daran, dass die für die Krankheitsaktivität verantwortliche Zytokinfreisetzung einer zirkadianen Tagesrhythmik unterliegt, die in den frühen Morgenstunden am höchsten ist. Auch bei Lupus können damit morgendliche Abgeschlagenheit und Gelenkbeschwerden effektiver behandelt werden als mit morgens eingenommenem Prednison. Die Anwendung bei Lupus erfolgt in Deutschland Off-label, da Lodotra® hierzulande bis jetzt nur für die rheumatoide Arthritis zugelassen ist. Das bedeutet, dass kassenversicherte Lupus-Patienten die Behandlung extra bei der gesetzlichen Krankenversicherung beantragen müssen. Erfahrungsbericht zu Lodotra®: https://www.lupus-shg.de. Zur Zeit läuft eines Studie, die die Effekte von Lodotra® bei Lupus-Patienten überprüft (s. unten).

Von Beginn einer Langzeittherapie mit Kortison ist eine Begleittherapie zur Verhütung von Knochenschwund erforderlich (Osteoporoseprophylaxe). Diese kann zum Beispiel durch die Einnahme von Vitamin D in Kombination mit einer kalziumreichen Ernährung, z. B. reichlich Milchprodukten, erfolgen. Vor Beginn einer Kortisontherapie sollte in jedem Fall eine Knochendichtemessung erfolgen. Knochendichtemessungen werden zum Beispiel bei Radiologen und Endokrinologen durchgeführt.

Wichtig: Lupuspatienten, die auf Dauer Kortison einnehmen und eine Nebennierenrindeninsuffizienz entwickeln, müssen vor Operationen, bei Infekten und nach Unfällen die tägliche Kortisondosis vorübergehend erhöhen, da der Körper den Mehrbedarf nicht ausgleichen kann. Ärzte, Rettungskräfte usw. sollten umgehend über die Lupusdiagnose und Kortisonbehandlung informiert werden. Ein Ausweis über die Nebennierenrindeninsuffizienz sollte stets bei sich getragen werden, hier erhältlich https://www.glandula-online.de/.


Antimalariamittel

Hydroxychloroquin (Handelsname: Quensyl®, engl. Plaquenil®). Basistherapie (fast) jeder Lupus-Patientin, besonders in Kombination mit Kortison, da es einige Nebenwirkungen von Kortison abschwächt (z. B. günstiger Einfluss auf den Fettstoffwechsel). Hydroxychloroquin ist zur Behandlung von Lupus zugelassen.

Mepacrin (engl. Quinacrine, Handelsname Atebrin®) ist ein Reservepräparat, falls Hydroxychloroquin nicht vertragen wird. Es gibt noch weitere Medikamente wie z. B. Dapson, die bei Hautlupus eingesetzt werden. Die Behandlung bei Lupus erfolgt Off-label.


Immunsuppressiva

Für die Behandlung bei Lupus zugelassen ist nur Azathioprin.

Alle anderen Immunsuppressiva wie Mycophenolatmofetil (Handelsname: CellCept®) werden bei Lupus Off-label eingesetzt. Obgleich Mycophenolatmofetil bei Lupus besonders bei Nierenbeteiligung ähnlich wirksam ist wie Cyclophosphamid, aber weniger Nebenwirkungen hat, erhielt es nicht die Zulassung für Lupus. Die Expertengruppe Off-Label im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bewertete den Einsatz von Mycophenolatmofetil als Induktionstherapie und Erhaltungstherapie bei Lupusnephritis im Dezember 2016 positiv. Der Gemeinsame Bundesausschuss fasste im April 2017 einen entsprechenden Beschluss, sodass die Off-label-Verordnung von Mycophenolatmofetil bei Lupus-Patienten wieder einfacher wurde, vgl.
Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Einleitung eines Stellungnahmeverfahrens zur Änderung der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL): Anlage VI -Off-Label-Use Mycophenolatmofetil/Mycophenolensäure bei Lupusnephritis https://www.g-ba.de.

Ciclosporin A (Handelsname: Sandimmun®) wird ebenfalls bei Lupus im Allgemeinen Off-label eingesetzt, allein für die membranöse Nephritis ist es auch bei Lupus zugelassen.


Monoklonale Antikörper

Belimumab (Handelsname: Benlysta®) ist für Lupus-Betroffene ab 5 Jahren mit aktuell positiven Autoantikörpern, auch bei Lupus-Nephritis, zugelassen. Bei ZNS-Lupus hat Belimumab Anwendungsbeschränkungen, d. h. darf nicht eingesetzt werden. Es ist weltweit das erste für Lupus entwickelte Medikament, hat jedoch nur ein schwaches Wirkungsspektrum. Es wirkt offenbar auch gegen Fatigue. Das IWIG beurteilte den Zusatznutzen von Belimumab bei Lupus im Vergleich zur Standardtherapie, insbesondere Kortison, kritisch https://www.iqwig.de.

Anifrolumab (Handelsname: Saphnelo®) ist für den autoantikörperpositiven "Durchschnittslupus" mit Abgeschlagenheit, Haut- und Gelenkbeschwerden zugelassen https://www.astrazeneca.at.

Rituximab (Handelsname: MabThera®) wird vielversprechend bei Kollagenosen, z. B. Lupus oder Sjögren-Syndrom, Off-label eingesetzt. Eine Weiterentwicklung von Rituximab, der vollständig humanisierte Antikörper Ocrelizumab, hat aktuell in einer Phase-3-Studie als weltweit erstes Medikament die primär progrediente Form der Multiplen Sklerose verlangsamt. Da Ocrelizumab ohne Mausanteile auskommt, ergeben sich möglicherweise auch für den Lupus besser verträgliche Therapieoptionen.

Tocilizumab (Handelsname: RoActemra®) wirkt bei rheumatoider Arthritis gegen Fatigue. In einer kleinen Studie zeigte dieses Medikament auch bei Lupus Wirkung. Es darf bei Lupus nur Off-label eingesetzt werden.


Zytostatika

Das einzige für Lupus zugelassene Arzneimittel dieser Klasse ist Cyclophosphamid (Handelsname: Endoxan®). Es ist bei Lupus das wirkungsvollste Medikament. Im Februar 2012 wurde die Zulassung von Endoxan® bei Lupus auf die Lupus-Nephritis eingeschränkt. Patienten mit ZNS-Lupus oder Lungenbeteiligung müssen nun einen Off-Label-Antrag stellen. Die Zulassungseinschränkung von Endoxan® bei Lupus wurde damit begründet, dass bei anderen rheumatischen Erkrankungen neue biologische Therapien zur Verfügung stünden.

"Hochdosis-Endoxantherapie. Persönlicher Erfahrungsbericht." Artikel von Gerhard Arold im "Schmetterling" Nr. 51 (Sept. 2000), S. 23-25. Erschienen auch in: mobil. Magazin der Deutschen Rheuma-Liga 26 (2000), Nr. 5, S. 18-21

Off-label wird manchmal auch Methotrexat bei Lupus eingesetzt. Es wirkt besonders gut gegen Gelenkbeschwerden. Nur ein Teil der Lupus-Betroffenen verträgt dieses Medikament gut, bei anderen, besonders Lupus/Sjögren-Mischformen, löst es oft heftige Nebenwirkungen aus.


Autologe Stammzelltransplantation

Für einen kleinen Teil der LE-Betroffenen mit schwersten Organbeteiligungen kommt eine Stammzelltransplantation in Frage. Die Behandlung erfolgt Off-label.


Plasmapherese/Immunadsorption

Eine Therapiemöglichkeit besonders für Lupus-Betroffene mit ausgeprägten Medikamentenunverträglichkeiten. Die Behandlung erfolgt Off-label.


Immunglobuline

Eine Therapiemöglichkeit besonders für Lupus-Betroffene in der Schwangerschaft oder mit ausgeprägten Medikamentenunverträglichkeiten. Die Behandlung erfolgt Off-label.


Studien mit neuen Medikamenten, die noch nicht für Lupus zugelassen sind

Atacicept https://de.wikipedia.org/wiki/Atacicept

CC-220 https://clinicaltrials.gov

Lupuzor https://en.wikipedia.org/wiki/Rigerimod

M2951 https://clinicaltrials.gov

Rayos® (in Deutschland: Lodotra®) https://clinicaltrials.gov

Sifalimumab https://en.wikipedia.org/wiki/Sifalimumab

Ustekinumab https://www.lupusresearch.org


Medikamente, die möglicherweise die Krankheitsaktivität bei Lupus verstärken können

Es gibt Arzneimittel, die möglicherweise die Krankheitsaktivität bei Lupus verstärken können (sogenannte "schubauslösende" Medikamente). Die Kenntnis dieser Präparate kann dazu beitragen, die Therapie zu optimieren. Eine ausführliche aktuelle Liste dieser Präparate finden Sie im Ratgeber "Liste schubauslösender Medikamente bei Lupus erythematodes und photosensibilisierender Stoffe" von Dorothea Maxin, Leseproben unter https://www.lupus-support.de.


Therapiekonzept

In den letzten Jahren hat sich die Behandlung des Lupus erythematodes in Deutschland verbessert. Zum einen durch die Neuzulassung von erstmals für den Lupus entwickelten Medikamente (Belimumab, Anifrolumab), zum anderen durch die Off-label-Anwendung weiterer, wirkungsvoller Arzneimittel wie Mycophenolatmofetil und Rituximab. Dies scheint jedoch bei manchen Rheumatologen an der "Basis" in der täglichen Praxis noch nicht angekommen zu sein. Auch heute ist in der Lupus-Behandlung die "abwartende Haltung" vielfach noch vorherrschend. Das bedeutet, mit dem Einsatz stärkerer Medikamente wird gewartet, bis die Krankheit weiter vorangeschritten ist. Davon sind besonders die subakuten Verlaufsformen betroffen. Auch beim Lupus sollte jedoch wie bei anderen rheumatischen Erkrankungen der Grundsatz "hit strong and early" gelten, das heißt eine Behandlung so früh und so effektiv wie möglich, mit dem Ziel einer Remission (Remission ist definiert als Krankheitsaktivität = 0, gemessen in Lupus-Aktivitätsscores), sodass auch bei den chronisch-aktiven Verlaufsformen eine normale Lebensqualität und Berufsplanung erreicht wird. Sehr hilfreich erscheint die Entwicklung einer Leitlinie für den Lupus, damit Ärzte konkrete Anhaltspunkte für ihr therapeutisches Vorgehen erhalten.



(Diese Seite wurde am 18.9.2022 aktualisiert.)



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