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30 Jahre Leben mit Lupus Lupus-Selbsthilfe



Autoimmunkrankheiten

Eine Übersicht von Dorothea Maxin

Autoimmunkrankheiten sind häufige Krankheitsbilder. Über vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Autoimmunerkrankungen. Lupus erythematodes ist eine davon. Lupus gilt als das Musterbeispiel (Prototyp) einer systemischen Autoimmunkrankheit, die den ganzen Körper betreffen kann. Autoimmunkrankheiten sind weitgehend genetisch bedingt und nicht ansteckend.




Autoimmunerkrankungen gehören mit zu den häufigsten Gesundheitsstörungen in Deutschland. Über vier Millionen Menschen in Deutschland leiden daran. Trotzdem sind sie weiten Teilen der Bevölkerung und auch vielen Ärzten relativ unbekannt.

Unser Immunsystem bekämpft normalerweise Krankheitserreger und Substanzen, die von außen den Körper angreifen. Das sind beispielsweise Viren, Bakterien oder Pilze. Diese Eindringlinge haben bestimmte Oberflächenmerkmale, so genannte Antigene, an denen sie vom Immunsystem erkannt werden. Das Immunsystem verfügt über ein "Gedächtnis", sodass nach einer erneuten Infektion durch denselben Erreger sofort und ohne Wartezeit wirksame Abwehrstrategien entwickelt werden können. Probleme entstehen dadurch, dass "neue" Erreger erst nach einer gewissen Zeitspanne vom Immunsystem erkannt werden. Oder die Erreger sind zu trickreich und komplex, sodass unser Immunsystem ohne Hilfe nicht mit ihnen fertig wird (Beispiel AIDS). Probleme können auch bei bereits bekannten Erregern entstehen, wenn das Immunsystem vielleicht überlastet ist. Dann bekommen wir eine Infektionskrankheit.

Viele dieser Infekte haben wir schon überstanden: Der harmlose Schnupfen, der uns besonders bei nasskaltem Wetter erwischt, wenn das Immunsystem auf Hochtouren läuft und mit der vielen Arbeit nicht mehr fertig wird. In der Kindheit hatten wir vielleicht die Masern und einen Keuchhusten. Aber auch die Tuberkulose und AIDS gehören zu diesen Infekten. Und schließlich gibt es seltene, aber manchmal tödlich verlaufenden Infektionen wie die Tollwut, das West-Nil-Fieber, SARS, Ebola und die Vogelgrippe. Die meisten dieser "exotischen" Krankheiten sind uns glücklicherweise nur aus dem Fernsehen bekannt.

Unser Immunsystem ist ein lebenswichtiges Organ unseres Körpers. Dass es wie alle anderen Organe ebenfalls erkranken kann, ist uns meist nicht bewusst.

Vier Hauptgruppen von Immunstörungen

Vier Hauptgruppen von Störungen immunologischer Prozesse werden unterschieden:

- Immundefekte, wie beispielsweise der seltene und meist angeborene Immunglobulinmangel.

- Bösartige Erkrankungen: Hier sind die seltenen Lymphome zu nennen.

- Allergien plagen uns recht häufig. Beispiele sind der Heuschnupfen, wenn die Pollen fliegen, oder das allergische Asthma.

- Und schließlich die recht häufigen Autoimmunkrankheiten.

Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das Immunsystem fatalerweise gegen den eigenen Körper (das griechische "aut(o)" bedeutet "selbst"). Mit den Abwehrzellen des Immunsystems, den T- und B-Lymphozyten, werden plötzlich Gewebsstrukturen des eigenen Körpers angegriffen. Sie attackieren etwa die Knochenhaut in den Gelenken, die Nierenzellen oder das Bindegewebe der Haut, als wären dies fremde Eindringlinge. Mit Antikörpern gehen sie gegen diese vermeintlichen Feinde vor. Wie es zu einer solchen Fehlschaltung des Immunsystems kommen kann, ist noch immer ungeklärt.

Abgrenzung zu Immunschwächen

Autoimmunkrankheiten sind nicht zu verwechseln mit Immunschwächekrankheiten wie beispielsweise AIDS. Bei AIDS haben Viren das Immunsystem niedergekämpft, sodass es langsam zusammenbricht. Deshalb: Immunschwäche.

Bei Autoimmunerkrankungen passiert genau das Gegenteil: Das Immunsystem ist überaktiv - hat sich aber irrtümlicherweise den eigenen Körper als "Feind" ausgesucht.

Autoimmunkrankheiten sind keine Immunschwächekrankheiten


Abgrenzung zur Allergie

Produziert das Immunsystem große Mengen an Abwehrstoffen (Antikörper) und richten sich diese Antikörper gegen (externe) Antigene wie beispielsweise Blütenpollen, Tierhaare oder Chemikalien, so sprechen wir von Allergien. Richten sich die Antikörper gegen körpereigene Antigene (Auto-Antigene) so haben wir es mit einer Autoimmunkrankheit zu tun.


Die beiden Pole von Überreaktionen des Immunsystems: Allergie versus Autoimmunität

Systemisch - organspezifisch

Praktisch jedes Organ kann von einer Autoimmunreaktion betroffen werden. Am bekanntesten ist wahrscheinlich der Diabetes des Jugendalters (Diabetes mellitus Typ I). Das Immunsystem zerstört die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse.

Bei der multiplen Sklerose (MS) werden die Markscheiden der Nervenfasern zerstört. Diese Markscheiden haben eine ähnliche Funktion wie die Isolierung eines Elektrokabels. Häufiger noch sind die Sprue/Zöliakie (Getreideunverträglichkeit) und Schilddrüsenautoimmunkrankheiten (Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis).

Entfaltet das Immunsystem seine zerstörerische Wirkung im ganzen Körper und nicht nur in einzelnen Organen, so sprechen wir von einer "systemischen" Erkrankung (Vaskulitiden, Lupus).


Das Spektrum der Autoimmunkrankheiten


Häufigkeit

Insgesamt gehören Autoimmunkrankheiten neben den Allergien und den Krebserkrankungen zu den häufigsten Gesundheitsstörungen in den westlichen Industrieländern.

Immer mehr Erkrankungen, deren Ursache lange Zeit unbekannt war, entpuppten sich als Autoimmunstörungen, so beispielsweise der Typ-I-Diabetes. Auch verbesserte diagnostische Möglichkeiten tragen dazu bei, dass Autoimmunerkrankungen heute schneller erkannt werden.

Auslöser

Zum anderen scheinen manche Autoimmunkrankheiten häufiger aufzutreten. Bei den verschiedenen Autoimmunerkrankungen sind verschiedene Auslösefaktoren bekannt, die an der Entstehung der Krankheit mitwirken. So breitet sich gegenwärtig die Hashimoto-Thyreoiditis in Deutschland epidemisch aus. Damit ist eine Unterfunktion und zunehmende Zerstörung der Schilddrüse verbunden, die bisher nur durch die lebenslange Gabe von Schilddrüsenhormonen ausgeglichen werden kann. Ursache scheint die zunehmende Jodierung der Lebensmittel zu sein, auf die unsere durch Eiszeiten geprägten Schilddrüsen nicht vorbereitet sind.

Aber auch die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten in den vergangenen 200 Jahren spielt womöglich eine Rolle. Ernährte sich die Bevölkerung früher von Hirsebrei und Buchweizengrütze, scheint der zunehmende Brot- und Nudelverzehr das Auftreten der Sprue, einer autoimmunen Getreideunverträglichkeit, zu begünstigen. Bei Kindern wird die Erkrankung als Zöliakie bezeichnet.

Der unverträgliche Bestandteil des Getreides, das Gluten, steht im Verdacht, auch bei der Entstehung des Typ-I-Diabetes mitbeteiligt zu sein. Viele Jahre lang wurde im Zuge der Biowelle eine übertrieben frühe Vollkornernährung propagiert. Auch Kuhmilchpulver in der Babynahrung scheint die Entstehung von Typ-I-Diabetes zu begünstigen. Daraus leitet sich die Empfehlung ab, in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen.

Die verstärkte Hygiene der heutigen Zeit fördert offenbar nicht nur das Auftreten von Allergien, sondern auch von autoimmunologischen Darmerkrankungen wie dem Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa. Diese kommen in den westlichen Industrieländern viel häufiger vor als etwa in den Schwellenländern. Therapieversuche mit Eingeweidewürmern reduzieren beim Morbus Crohn die Krankheitsaktivität.

Das Rauchen scheint generell Autoimmunkrankheiten wie Morbus Basedow, Lupus und Morbus Crohn zu begünstigen.

Der Lupus, eine systemische Autoimmunerkrankung des ganzen Körpers, wird möglicherweise durch die Verbreitung der östrogenhaltigen Anti-Baby-Pille, der Einnahme von Medikamenten überhaupt, die veränderten Schönheitsideale der heutigen Zeit ("braune" Haut) und das Ozonloch gefördert. Östrogene und eine Vielzahl weiterer Medikamente sowie UV-Strahlung können bei dieser Erkrankung Schübe auslösen.

Viele Autoimmunkrankheiten sind bekannt. Bei noch mehr Gesundheitsstörungen werden Autoimmunprozesse vermutet, so beim Asthma, der Neurodermitis, der Induratio penis plastica (einer Erkrankung, bei der sich der Penis langsam zur Seite krümmt) und manchen Formen des Tinnitus. Sogar bei der Schizophrenie und manchen Epilepsieformen werden Autoimmunphänomene gefunden. Anzunehmen ist, dass noch viele weitere Krankheiten diese Aufstellung ergänzen werden. Vielleicht kommen auch die Fibromyalgie und das Chronische Müdigkeitssyndrom (CFS) noch hinzu.

Ursache

Über die eigentliche Ursache von Autoimmunkrankheiten ist noch wenig bekannt. Wahrscheinlich spielt eine bestimmte genetische Veranlagung eine Rolle. Damit ist nicht eine Erbkrankheit gemeint, sondern eine Disposition, die zum Ausbruch der Erkrankung führt, wenn weitere Faktoren hinzukommen. Dafür spricht, dass Autoimmunkrankheiten oft in Familien gehäuft vorkommen. So kann beispielsweise ein Familienmitglied an Rheuma, ein weiteres an Diabetes leiden und so weiter. Eine wichtige Rolle spielt dabei das HLA-System auf dem kurzen Arm des sechsten Chromosoms.

Wichtig bei Autoimmunerkrankungen ist das HLA-System auf dem sechsten Chromosom
Nach https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HLA.svg


Die Gene des HLA-Systems (Humanes Leukozytenantigen-System) werden bei Wirbeltieren allgemein als MHC-Komplex (Major Histocompatibility Complex, Haupthistokompatibilitätskomplex) bezeichnet. Sie sind auf dem kurzen Arm des sechsten Chromosoms lokalisiert und ermöglichen den T-Lymphozyten, gesunde und von Viren oder Bakterien befallene körpereigene Zellen als solche zu erkennen. Dabei kann es möglicherweise zu einer "Falschverarbeitung" von Infektionen und der irrtümlichen Auslösung von Immunreaktionen gegen nichtinfizierte körpereigene Zellen kommen. Wird ein Individuum, das bestimmte Merkmale im HLA-System aufweist, in einer kritischen Phase mit der "passenden" Infektion konfrontiert, kann es womöglich zur Entstehung einer Autoimmunkrankheit kommen. Die kritische Phase für die Induktion von Autoimmunität liegt anscheinend sehr früh, möglicherweise in den ersten Lebensjahren.

Für Lupus prädisponieren besonders die HLA-Merkmale DR3 und B8.

Bei manchen Autoimmunerkrankungen scheinen Viren eine besondere Rolle zu spielen, z. B. bei der primären biliären Zirrhose.

Eine neue Hypothese diskutiert die Beteiligung von fötalen Zellen bei der Auslösung von Autoimmunkrankheiten (Mikrochimärismus). Bei jeder Schwangerschaft gehen Zellen der Mutter in den Blutkreislauf des Kindes über und umgekehrt. Außerdem können Zellen aus vorangegangenen Schwangerschaften zirkulieren. Beispielsweise bei der Sklerodermie ergaben sich Hinweise, dass dies bei dem unreifen Immunsystem des Fötus zu Immunstörungen führen kann.

Übertragung

Autoimmunerkrankungen sind nicht ansteckend, können aber bei nahe stehenden Personen oder auch Haustieren eine Immunantwort auslösen. Es gibt auch unerklärliche Häufungen. So litten beispielsweise der frühere US-Präsident George Bush senior, seine Frau Barbara Bush und ihr Haushund Anfang der 1990er Jahre an der Schilddrüsenautoimmunkrankheit Morbus Basedow. Der amerikanische Geheimdienst wurde eingeschaltet. Die Ursache konnte nicht gefunden werden.

Autoimmunerkrankungen können durch eine Knochenmarktransplantation übertragen werden. Ebenfalls kann durch Blutübertragung eine Immunantwort ausgelöst werden. Deswegen sollten Autoimmunpatienten kein Blut spenden. Auch von einer Organspende wird abgeraten.

Psyche

Autoimmunkrankheiten sind keine psychosomatischen Störungen und haben nichts spezielles mit Autoaggression zu tun. Jedoch wirken sich Stress und psychosoziale Belastungen bei allen Formen wegen der Nähe von Immunsystem und Psyche ungünstig auf den Krankheitsverlauf aus.

Autoimmunkrankheiten sind keine psychosomatischen Krankheiten


Symptome

Die Symptome von Autoimmunkrankheiten sind vielfältig und ergeben sich aus der Art des betroffenen Organsystems. So entstehen z. B. bei Erkrankungen der Schilddrüse Symptome der Über- oder Unterfunktion. Bei den generalisierten Erkrankungen stehen oft Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schmerzen im Vordergrund, die aus der Entzündung resultieren.

Diagnose

Die Diagnose stützt sich in erster Linie auf Blutuntersuchungen (Antikörper, Komplement, Immunglobuline). Bei einigen Erkrankungen sind noch keine spezifischen Autoantikörper bekannt, z. B. bei der MS. Dann ergibt ein Muster verschiedener klinischer Symptome und bildgebender Verfahren die Diagnose.

Verlauf

Der Verlauf kann schubweise oder chronisch-schleichend sein. Die Erkrankungen dauern unterschiedlich lange an, manche "verlaufen" sich nach einigen Jahren wieder, wie z. B. der Morbus Basedow, der in der Regel unter Behandlung nach zwei bis drei Jahren ausheilt. Andere verlaufen chronisch, meist lebenslang, wie der Diabetes Typ I oder der Lupus. Oft treten Autoimmunkrankheiten in Kombination miteinander auf, zum Beispiel das Sjögren-Syndrom und die Hashimoto-Thyreoiditis.

Therapie

Die Therapie ist bei vielen Autoimmunerkrankungen ähnlich. Ein Stufenschema immunsuppressiver Behandlung soll die überschießende Aktivität des Immunsystems eindämmen. Dazu werden in erster Linie Kortison, verschiedene Immunsuppressiva, Zytostatika (Mittel, die auch in der Krebsbehandlung eingesetzt werden) und bei schwersten Formen die Stammzelltransplantation eingesetzt. Damit können viele Erkrankungen zwar nicht geheilt, aber dauerhaft eingegrenzt werden. Generell scheinen schubförmige Formen besser behandelt werden zu können. Bei den chronisch-aktiven Erkrankungen lässt sich der Verlauf dagegen oft nur unzureichend beeinflussen. Ein Großteil der Betroffenen kann aber mit einer erträglichen Lebensqualität rechnen.

Die Schwierigkeiten, geeignete Behandlungen für Erkrankungen des Immunsystems zu entwickeln, wurde am Beispiel der Würzburger Firma TeGenero deutlich, die im Frühjahr 2006 ein Medikament erprobte, das zu schwersten Nebenwirkungen führte.


Beispiele bekannter Persönlichkeiten, die an Autoimmunkrankheiten leiden oder litten:

- Morbus Addison - der amerikanische Präsident J. F. Kennedy,

- Morbus Basedow - Altbundeskanzler Helmut Schmidt,

- der Sänger Seal - Lupus.



Dieser Artikel ist in leicht gekürzter Fassung erschienen in TIPP, Selbsthilfe-Magazin, III/2007, ISSN: 1611-2180.


(Diese Seite wurde am 14.1.2017 aktualisiert.)



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